Kaffee — eine heiße Geschichte, Kulturen in Lund
Die Gruppe um den Kaffeetisch ist ein Ausschnitt aus dem Gemälde des deutschen Künstlers Zick Januarius (1730-97). © Germanisches Nationalmuseum / Bridgeman Images

Kaffee — eine heiße Geschichte (auf Schwedisch Kaffe – en het historia) ist eine aromatisch duftende Ausstellung über dunkelbittere und alltägliche Rituale rund um Schwedens beliebtestes Getränk. Die Ausstellung erzählt die Geschichte des Kaffees auf Grundlage einer breitgefächerten Perspektive, die von Medizin bis zu „Swedish fika“, dem schwedischen Brauch des gemeinsamen Kaffeetrinkens, reicht. Überdies bietet die Ausstellung Anhaltspunkte, wie der exotische Kaffee zu einem genusserfüllten Teil der schwedischen Identität wurde. Die Ausstellung wird am 9. April 2022 eröffnet.

Die früheste Geschichte des Kaffees ist nicht bekannt, aber von Äthiopien ausgehend erfolgte seine Verbreitung über die Hafenstadt Mokka im Jemen hinaus in die Welt. Bereits in der Mitte des 16. Jahrhundert gab es Kaffeehäuser in Städten wie Konstantinopel, Aleppo und Kairo. Durch den Handel Venedigs mit dem Osmanischen Reich gelangte der Kaffee Anfang des 17. Jahrhunderts nach Europa.

Karl XII. brachte den Kaffee mit

Nach Schweden kam der Kaffee in den 1680er Jahren zunächst als Heilmittel. Der Import nahm zu, als Karl XII. aus der Türkei nach Schweden zurückkehrte und den Brauch mitbrachte, Kaffee zu trinken. Als sich der König und sein großes Gefolge aus Militär, Beamten und Dienstleuten 1716 bis 1718 in Lund aufhielten, wurden circa 600 Kilo Kaffeebohnen aus Rostock importiert. So stellte wahrscheinlich Lund den Ort dar, von dem aus das Kaffeetrinken Auftrieb erhielt.

Heute ist das Kaffeetrinken ein unentbehrlicher Teil unserer Kultur, tief verwurzelt im Bewusstsein der Bevölkerung. Der Duft erzeugt ein heimeliges Gefühl, eine dampfende Tasse signalisiert eine Auszeit vom Arbeitsalltag. Ein gedeckter Tisch mit reich bestückten Kuchenplatten schafft Feststimmung. Für manche Leute ist die Wahl der Kaffeesorte, der Zubereitungsmethode und der Tasse so wichtig, dass es an ein religiöses Ritual erinnert.

„Swedish Fika“

Kaffeetrinken wird als so typisch schwedisch angesehen, dass „Swedish fika“ im Ausland zu einem Begriff geworden ist. Ein Begriff, der nicht nur dafür steht, „sich eine Kaffeepause zu genehmigen“, sondern auch für eine Verhaltensweise auf dem Gebiet der Organisations- und Führungstheorie. Die schwedische Art, sich bei einer Tasse Kaffee zu treffen, sich eine Kaffeepause zu genehmigen, ist heute ein immaterielles kulturelles Erbe geworden, das in Schwedens Verzeichnis über lebendige Traditionen Eingang gefunden hat.

Dunkle und helle Seiten des Kaffees

In der Ausstellung untersuchen wir von unterschiedlichen Perspektiven ausgehend, wie Kaffee unsere Kulturgeschichte beeinflusst hat und wie die Veränderungen der umgebenden Gesellschaft die Kaffeekultur beeinflusst haben. Wir sprechen sowohl die dunklen Seiten des Kaffees an, wie Sklaverei und die Klimabeeinflussung, als auch die hellen Seiten, wie Design und gesellschaftlichen Umgang.

Der Kaffeepfad im Freilichtmuseum

Als einen erweiterten Rahmen zur Ausstellung gestalten wir auch unterschiedliche Perspektiven auf die Geschichte des Kaffees in einigen kulturhistorischen Häusern des Freilichtmuseums, vom 18. Jahrhundert bis in die 1930er Jahre. Holen Sie sich im Eingangsbereich des Museums oder in der Ausstellung Informationen zum Kaffeepfad (auf Englisch: The Coffee Trail), die Sie im Freilichtmuseum auf die richtige Spur bringen.

Die Ausstellung wird in der Textilhalle und der Lundhalle vom 9. April 2022 bis zum Februar 2023 gezeigt.